Kanzel (Detail) Maria Königin Innenraum Deckengemälde Kreuzwegstation (Detail) Kanzel, St. Petrus ad vincula Gesmold Innenraum Wandgemälde im Eingangsbereich Schmerzhafte Mutter, St. Petrus ad vincula Gesmold Kirchturm (Detail)

Im Blickpunkt - die Pietà in der St.-Bartholomäus-Kirche

Allgemeines:

Unter der Bezeichnung „Pietà“ (ital.: Mitleid, Frömmigkeit) versteht man die Darstellung der trauernden Maria mit dem vom Kreuz abgenommenen Sohn im Schoß. Ihr Ursprung findet sich in der frommen Betrachtung des Leidens Jesu etwa seit dem frühen 14. Jh. Trotzdem ist die dargestellte Szene nicht biblisch belegt: Maria und Johannes standen wohl unter dem Kreuz; die Entgegennahme des Leichnams Jesu durch Maria nach der Kreuzabnahme wird dagegen nirgends beschrieben.

Eine der bekanntesten Darstellungen ist die Marmor-Pietà von Michelangelo im Petersdom zu Rom (vollendet 1500).

Pietà in der St.-Bartholomäus-Kirche

Pietà in der Bartholomäus-Kirche, Werkstatt Bernhard Allard (Münster) 1864 - Bild gross anzeigen
Pietà in der Bartholomäus-Kirche, Werkstatt Bernhard Allard (Münster) 1864

Die Pietà in St. Bartholomäus gehört zu den ältesten Ausstattungsstücken der Kirche. Da kurz vor der Vollendung des Kirchbaus i. J. 1861 die Spendengelder besonders reichlich flossen, konnte auch sofort in die Einrichtung der Kirche investiert werden. Die Pietà wurde für den Altar der Marienkapelle (Muttergotteskapelle) der Kirche bestellt, d.h. für den rechten Seitenaltar. Die Werkstatt (Johann) Bernhard Allard in Münster schuf die lebensgroße Plastik in farbig gefasstem Holz (1864; Höhe ohne Sockel ca. 160 cm).

1968 wurden die Seitenaltäre entfernt; in der Stirnwand des südlichen (rechten) Seitenschiffs befindet sich heute der Eingang zur Sakristei. Von 1968 bis 1988 stand die Pietà in der Turmhalle; danach fand sie ihren jetzigen Platz an der nördlichen Langhauswand unter der Orgelempore.

Dass die Wellingholzhausener Pietà – wie viele Ausstattungsstücke aus der Erbauungszeit der Kirche – aus einer Münsteraner Kunstwerkstatt stammt, dürfte sicher auf den Einfluss des Kirchenarchitekten Emil von Manger zurückgehen. Dieser war als Baumeister beim Bistum Münster tätig und wird die ihm bekannten Werkstätten empfohlen haben. (Auch der am Bau der Kirche tätige Bauunternehmer Georg Eustermann arbeitete wohl auf Empfehlung von Emil von Manger.) Schließlich war es der Münsteraner Konservator Bernhard Zehe, Kaplan am Paulus-Dom, der die für die Bartholomäus-Kirche angeschafften Kunstwerke begutachtete und für „vorzüglich“ befand.

In inniger Verbundenheit: Maria und ihr vom Kreuz herabgenommener Sohn - Bild gross anzeigen
In inniger Verbundenheit: Maria und ihr vom Kreuz herabgenommener Sohn

Heute ist nicht allzu viel über die Kunstwerkstatt Allard in Münster bekannt. Die Pietà in St. Bartholomäus ist sicher ein typisches Beispiel für das Schaffen der Kunstwerkstätten im 19. Jh. Die Art der Darstellung folgt einem bekannten Muster, das vielleicht mehrfach verwendet wurde. Auffallende Merkmale sind die glatte und wohlgeformte Zeichnung der Gesichter, welche ausdrucksvoll in inniger Nähe zueinander stehen, die ineinander verschränkten Hände von Maria und Jesus sowie die Beigabe von Dornenkrone und Schweißtuch am Fuß der Plastik. Die dunkle Farbgebung der Kleidung Mariens, die auf jegliches schmückendes Beiwerk verzichtet, unterstreicht den Ausdruck intensiver Trauer.

Dornenkrone und Schweißtuch - Bild gross anzeigen
Dornenkrone und Schweißtuch

Die Pietà ist für die Besucher der Bartholomäus-Kirche ein wichtiger Ort des stillen Gedenkens und des persönlichen Gebetes. Davon zeugen die täglich vor ihr entzündeten Opferkerzen und das ausliegende Fürbitt-Buch, das von allen Generationen genutzt wird.

Aus Anlass des Heiligen Jahres 2000 erhielt die Pietà einen neuen Sockel aus Sandstein. Dieser birgt in seinem Inneren drei Hohlräume, die symbolisch der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zugeordnet sind. Äußerlich sind sie an den Jahreszahlen 1900, 2000 und 2100 zu erkennen. Die Mitglieder der Pfarrgemeinde hatten im Jahr 2000 Gelegenheit, den jetzt verschlossenen Kammern in schriftlicher Form prägende Erinnerungen und Erlebnisse des eigenen Lebensweges anzuvertrauen, oder auch Wünsche, Sorgen und Hoffnungen für die Gegenwart und Zukunft zu formulieren. Die rechte Kammer, mit „2100“ bezeichnet, blieb ungefüllt – als Auftrag an spätere Generationen, den Glauben weiter zu leben und in der Zukunft davon Zeugnis zu geben. Die Konzeption geht auf Pfarrer Heinrich Hawighorst (1931–2008) zurück, der als Pastor in Wellingholzhausen 1979–2000 wirkte. 

Der im Heiligen Jahr 2000 neu geschaffene Sandsteinsockel als würdiger Ort für die bald 150 Jahre alte Pietà - Bild gross anzeigen
Der im Heiligen Jahr 2000 neu geschaffene Sandsteinsockel als würdiger Ort für die bald 150 Jahre alte Pietà
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